Unsere Reise führt Ende Jänner zu den Krauskopfpelikanen am Kerkinisee in Makedonien, Nordgriechenland. Der Kerkinisee ist ein künstlich zur Trockenlegung von Sümpfen angelegter Stausee und er ist eines der bedeutendsten Vogelschutzgebiete in Griechenland. Der See liegt etwa 100 km nördlich von Thessaloniki.
Es gibt in Nordgriechenland zwei größere Populationen von Krauskopfpelikanen. Die größere lebt am Prespasee, der am Dreiländereck zwischen Griechenland, Albanien und Nordmazedonien liegt. Die kleinere mit etwa 400 Individuen lebt am Kerkinisee. Die Krauskopfpelikane werden bis zu 12 kg schwer und sie haben eine Flügelspannweite von bis zu 3 Metern. Sie werden mit 5 bis 6 Jahren geschlechtsreif und haben in ihrer Jugend ein grau geschecktes Federkleid, braune Augen und die Hautpartien rund um die Augen sind blassgelb. In der Jugend ist der Kehlsack gelb. Wenn sie erwachsen und geschlechtsreif werden, wird ihr Prachtgefieder weiß, der Kehlsack wird orange bis rot und am Kopf zeigen sie die für diese Art so typischen Federn, den Krauskopf. Beim erwachsenen Vogel sind die Augen bläulich und der Hautfleck rund um die Augen ist orange gefärbt. Männchen und Weibchen sind anhand des Federkleides nicht zu unterscheiden, wohl aber an der Schnabellänge, dieser ist bei den erwachsenen Männchen deutlich länger.
Sie tragen ihr Prachtgefieder von November bis zur Brutzeit, die Ende Februar, Anfang März beginnt und in dieser Zeit kann man sie am Kerkinisee aus dem Boot heraus sehr gut beobachten und fotografieren. Mit dem Beginn der Brutzeit werden sie scheu und ziehen sich auf die Brutinseln am See zurück.
Trotz ihres großen Gewichts und ihrer Größe sind sie elegante Flieger. Bei Wind nutzen sie die Luftströmungen geschickt aus, um fast ohne Flügelschlag in die Höhe zu steigen. Auch ihre Landungen am Wasser sind sehr elegant und fotogen.
Da sie im Winter von den Bootsführern der Fototouren gefüttert werden, sind sie nicht scheu. Ohne Fütterung fangen sie Fische im seichteren Wasser, wobei sie ihren Kehlsack wie einen Kescher verwenden. Sie können aber nicht so wie die Kormorane nach den Fischen tauchen. Die Fototouristen reisen aus der ganzen Welt zum Kerkinisee, um die Pelikane zu fotografieren. Eine Win-Win-Situation für Pelikane, Fischer, Bootsführer und Fotografen.
Fototechnisch ist man mit modernen Kameras, die einen schnellen Tieraugenautofokus haben, klar im Vorteil. Das optimale Objektiv ist ein schnelles 70-200 mm F2.8, eventuell ergänzt mit einem Weitwinkelzoom. Da die Bootstouren bei Dunkelheit starten, sollte man mit hohen ISO-Werten umgehen können. Auf den Booten ist man mit längeren Brennweiten über 200 mm klar im Nachteil, da die Vögel groß sind und sehr nahekommen.
Es werden sich viele Gelegenheiten für Flugaufnahmen ergeben und auch hier sind kürzere Brennweiten und weit geöffnete Blenden klar von Vorteil. Täglich kann man zwei Bootstouren buchen, eine am frühen Morgen und die andere am Nachmittag. Bei beiden Touren gibt es je nach Wetterlage grandiose Lichtsituationen, die von den erfahrenen Bootsführern geschickt genutzt werden.
Man ist bis zu zwei Stunden pro Tour am Boot und sollte sich, da Winter ist, warm und wetterfest anziehen. Natürlich sollte man ausreichend Reserve Akkus und Speicherkarten mit dabeihaben. Zudem sollte man sich überlegen, wie man die Kamers im schnellen Serienbildmodus einstellt, denn mit 20 Bildern pro Sekunde und den vielen Action- und Flugszenen werden sehr viele Bilder zu speichern und zu verarbeiten sein.